LEBEN DORT, WO ANDERE URLAUB MACHEN.....

...dazu hatten wir uns 1992 entschieden. Nach einem langen Berufsleben, einer arbeitsreichen Zeit, konnten wir durch glückliche Umstände den Traum vieler verwirklichen und uns irgendwo abgeschieden in der schönen, grünen Toscana ein Häuschen suchen. Wir wollten ein ruhiges bescheidenes Leben auf dem Land führen, wir wollten ein wenig reisen, lesen, Italien und seine Menschen kennen lernen, und vielleicht dann und wann auch wieder mal einen Besuch in unserer Heimat Bayern machen. Das wäre mit unseren damals fünf Hunden gut möglich gewesen!
Das Haus "Campo di Meo" kurz nach dem Einzug von Helga und Helmut. Für die kühleren Monate wurde die Veranda mit Schiebetüren versehen, so bot sie für mehr Tiere einen Schutz. Dann kam schon recht bald ein Sonnenschutz für den gefliesten Bereich vor der Veranda hinzu (Helga und Helmut im Vordergrund).

DER TRAUM – UND DIE REALITÄT

Der Sprache damals nicht gut mächtig, wussten wir nicht, dass unser 100 qm-Häuschen mit einem Hektar Land mitten in einer Jagdzone lag. Das Erwachen nach unserem Umzug im September 1992 war schrecklich! Die Jagd auf Federvieh war im vollen Gang und bereits am 1. November setzte die brutale Treibjagd auf Wildschweine ein. Die Jäger haben das Recht von alters her über nicht eingezäuntes Gelände zu gehen und auch dort zu jagen. Wir sahen uns bald umzingelt von vielen Jägern mit ihren Hundemeuten, armseligen, kleinen Bastarden, die unterernährt den gefährlichen Wildschweinen nachsetzen mussten.
Es dauerte nicht lange, da fanden wir die ersten verletzten Hunde, ausgesetzte auch, oder eben solche, die den Weg zurück zu ihrem Herrn, der von weit her kam, um zu jagen, nicht mehr fanden. – Wir machten manchen Besuch auf den benachbarten Bauernhöfen und sahen Hunde an der kurzen Kette, ohne jedweden Unterstand, ohne Hundehütte, vielfach gab es die Eisentonnen, in denen der Hund sich bei schlechtem Wetter verkriechen konnte – bei Hitze war die rostige Tonne ein Todesurteil! Wir kauften die ersten Hütten, entflohten und entwurmten die Tiere, brachten ihnen zu essen und sprachen, so gut wir konnten, mit den Bauern und Jägern.

Im Frühjahr 1993 waren diverse Hündinnen an der Kette schwanger. Als wir die Besitzer befragten, was denn mit den Hundekindern geschieht, war die Antwort immer dieselbe: durch ein Handzeichen wurden einem bedeutet, dass die Kleinen umgebracht werden würden durch Ertränken, durch zu Boden werfen oder andere brutale Entsorgungsmöglichkeiten. „Come si fa?“ war die Frage – denn die Hündin war normalerweise zweimal im Jahr schwanger. Wir baten, die Tiere diesmal gebären zu lassen, wir versprachen, uns zu kümmern und sagten zu, die Welpen, wenn sie dann gross genug sind, aufzunehmen.

Auf diese Weise hatten wir bereits im Frühjahr 1993 an unserem kleinen Häuschen 23 Hunde und Welpen. Im Umkreis versorgten wir täglich 15 Hunde. Ich fuhr über Land und entdeckte überall das gleiche Elend. Die Menschen hatten keine Ahnung, dass man Hunde regelmässig entwurmt, dass sie gegen Krankheiten geimpft werden müssen und das nicht nur einmal im Leben und dass es besser ist, wenn zumindest die Hündin kastriert ist. Sie brachten den Tieren keinen Respekt und schon gar eine Liebe entgegen. Der Hund war wie ein Handwerkszeug, ein Sportgerät – er hatte zu funktionieren, gewisse Aufgaben zu erledigen – der Zutritt ins Haus war und ist ihm auch heute noch stets verwehrt! Wir engagierten uns überall, bauten Zwinger, Laufketten auf den Bauernhöfen, stellten weitere Hütten auf, impften, entwurmten, brachten Tiere zum Tierarzt und wenn jemand der Kastration zustimmte, bezahlten wir gern auch diese. Immer wieder gaben uns Hundehalter gleich ihre Tiere mit, entweder weil sie alt, krank oder einfach nicht mehr gewollt waren.

1994 lebten an unserem Häuschen schon viele Hunde und nicht zu vergessen, noch mehr Samtpfoten. In der Zwischenzeit standen wir in Kontakt mit einigen Tierärzten, die unsere Absichten erkannt hatten und froh waren, dass sie uns in vielen Fällen des Tierleids der nicht mehr gewollten Hunde und Katzen in Anspruch nehmen konnten.

Wir MUSSTEN ausweiten – 1994 bauten wir hinter unserem Haus für die Katzen zwei grosse Gewächshäuser auf, die heute, 12 Jahre später, immer noch sehr beliebt bei den Miezen sind. Sie sind mit lichtdurchlässigem Kunststoff ummantelt, innen mit Häuschen eingerichtet, die den Katzen, die nicht zu uns ins Haus kommen wollen, ein behagliches Leben ermöglichen. Und vom Haus 300 Meter entfernt wurde ein Stück Land eingezäunt, mit grossen Häusern bestückt, auf dem weitere Hunde leben konnten.

Aufbau der "Katzentunnel"... ... im Oktober 1994. Wetterfestes einkleiden für den bevorstehenden Winter.
Die Katzentunnel in 2007 außen ... ... und zwei Innenansichten.  

Trotz vielfacher Unterstützung aus der Schweiz und aus Deutschland waren wir auch mit dieser Erweiterung bald an die Grenzen des Machbaren gestossen. – Durch einen glücklichen Umstand bekamen wir 1997 das stromlose Bauernhaus CUPILONI zum Kauf angeboten, 1 km von uns entfernt, verbunden durch eine Schotterstrasse. Das Haus bietet mit seinen 200 qm Wohnfläche vielen armen Heimatlosen ein vorübergehendes oder auch endgültiges Zuhause. Wir stürzten uns in Schulden, in Sorgen, in noch mehr Arbeit und erfuhren gleichzeitig das grosse Glücksgefühl, keinen, der anklopfte, abweisen zu müssen!

 
Das Cupiloni vom Hoftor aus gesehen im Jahr 2003. Auch am Cupiloni entstehen durch die stetig wachsende Tierzahl weiter schützende Dächer und Liegemöglichkeiten.  
Ebenfalls 1997 kauften wir – zwischen den beiden Häusern gelegen – einen weiteren Hektar Grund, um vier zum Schlachten vorgesehenen Pferden und einem männlichen Esel, ein tiergerechtes Leben zu ermöglichen. Auf diesem Grund errichteten wir 1998 das kleine Katzenheim IL PARADISO. In wahrhaft paradiesischen Umständen leben hier, gut versorgt, immer etwa 25 bis 30 Samtpfoten.

WARUM NEHMEN WIR AUCH HUNDE AUS ANDEREN LÄNDERN AUF??

1998 gründeten wir den Verein SOS ANIMALI und wählten den Zusatz INTERNATIONAL mit Bedacht. Denn für uns existieren keine Grenzen für die Tiere in deren Leid. In der Zwischenzeit konnten wir schon einige Male anderen Tierschutzkollegen helfen, die froh waren, dass wir den einen oder anderen „ausländischen“ Hund bei uns aufnahmen.

Hierzu findet ihr mehr unter den Rubriken Wirkungskreis & Presse und Berichte.

Im Februar 2010 wurde für uns ein lang geträumter Traum wahr. Dank der Hilfe grosser Schutzengel konnten wir erweitern und hinter unserem Tierhaus CUPILONI ein kleines Häuschen mit grossem Grund als Mutter-und-Kind-Haus in Betrieb nehmen. Eine Oase mitten im Grünen, eine weitere Heimat für geschundene, verjagte, ungeliebte Tiere. Momentan leben an diesem Häuschen 14 Hunde fest, Neuzugänge nicht ausgeschlossen! Und Samtpfoten gibt es natürlich auch, etwa 25 an der Zahl. Betreut werden die Tiere momentan von Jana, die Tag und Nacht für alle da ist!

In der oberen Reihe sind die 3 zusätzlichen Holzhäuser für Hundekinder mit/ohne Mutter zu sehen - wenn sie nicht mit im Häuschen mit der Betreuerin leben. LINKS ist Jana mit den vielen Hunden zu sehen, und RECHTS die direkt anschließende große Wiese, die im Juli 2011 eingezäunt wurde, damit sowohl die Hunde als auch unsere Pferde diese beruhigt nutzen können.

ÜBER 300 TIERE LEBEN FEST BEI UNS

Heute leben bei uns am Häuschen von Helga und Helmut und am Tierhaus CUPILONI durchschnittlich immer zwischen 70 und 80 HUNDE und jedes Haus beherbergt seine 100 Miezen, dazu kommen die Katzen vom IL PARADISO.

Nicht vergessen wollen wir, dass es Vögel in engen, kleinen Käfigen gibt, dass Meerschweinchen früher und vielleicht sogar heute noch eine Delikatesse sind und Zwerghasen schnell angeschafft und genauso schnell wieder abgegeben werden.
Viele Tiere werden hier für die KINDER gekauft, Kinder, die in der heutigen Zeit schnell die Lust verlieren, keine Verantwortung übernehmen wollen und vor allem sich weiter entwickeln und damit andere Interessen haben, als sich um ein Tier zu kümmern. Auch sie alle, die man entsorgen wollte, wie lästiges Unkraut, fanden Aufnahme bei uns.