Regenbogenbrücke

ÜBER DIE REGENBRÜCKE GEHEN

Auf einer Seite des Himmels gibt es einen Platz, der Regenbogenbrücke genannt wird. Wenn ein Tier stirbt, das jemandem besonders nahe stand, begibt es sich zur Regenbogenbrücke. Dort sind Wiesen und Hügel für all unsere besten Freunde, so dass sie zusammen laufen und spielen können. Dort gibt es Futter, Wasser und Sonnenschein im Überfluss und unsere Freunde haben es warm und fühlen sich wohl und behaglich. Alle Tiere, die krank und alt waren, haben wieder ihre Gesundheit und Energie. Die, die verletzt oder verstümmelt waren, sind wieder hergestellt und stark, so wie wir sie in Erinnerung haben. Die Tiere sind glücklich und zufrieden, bis auf eine Kleinigkeit: sie alle vermissen ihren Menschenfreund, den sie zurücklassen mussten.

Sie laufen und spielen zusammen, aber der Tag kommt, an dem eines plötzlich stoppt und in die Ferne sieht. Seine strahlenden Augen sind aufmerksam, gespannt zittert der Körper. Plötzlich beginnt es von der Gruppe wegzulaufen, fliegt über das grüne Gras, seine Beine tragen es schnell und schneller. Es hat DICH gesehen und wenn DU und DEIN Freund sich endlich treffen, werdet ihr im freudigen Wiedersehen so zusammen halten, auf dass ihr nie wieder getrennt werdet.
Glückliche Küsse regnen auf dein Gesicht. Deine Hände liebkosen wieder den geliebten Kopf und du siehst einmal mehr in die vertrauensvollen Augen Deines Lieblings, der zwar lange aus deinem Leben, aber nie aus deinem Herzen verschwunden war. – Dann geht ihr zusammen über die Regenbogenbrücke.


Geliebte Tierkinder,
die ihr uns für einen längeren oder kürzeren Zeitraum anvertraut werdet.
Gern übernehmen wir die Verantwortung für euch, geben euch ein Zuhause, Liebe und Fürsorge – und müssen dann doch immer wieder Abschied nehmen. Loslassen, euch gehen lassen.


Ihr sollt nicht um mich weinen
ich habe ja gelebt
der Kreis hat sich geschlossen
der nach Vollendung strebt. 
Glaubt nicht, wenn ich gestorben,
dass wir uns ferne sind.
Es grüsst euch meine Seele
als Hauch im Sommerwind. 
Und legt der Hauch des Tages
am Abend sich zur Ruh,
send ich als Stern vom Himmel
euch meine Grüsse zu. (Hans Kreiner) 

MAXI

Am Sonntag morgen ( 9. Nov. 08 ) ist MAXI ganz friedlich bei uns eingeschlafen. Wir haben ihn im Februar nach Gretas Tod übernommen, er hatte hochgradig Leishmaniose, war davon blind geworden.
Die Krankheit ist tückisch - bei uns hat er zunächst nach einer Milteforan-Kur zugenommen, gut gegessen, die Ohren sind verheilt, das Fell war gut - um dann auf einmal wieder abzustürzen. Die inneren Organe waren befallen. Schlaf ruhig, Maxi!



BETTY

Ich habe Greta Irsperger versprochen, für alle alten und kranken Hunde, die bei uns ein endgültiges Zuhause nach dem Tod von Greta fanden, zu sorgen. Auch BETTY war bei uns herzlichst willkommen.
Sie hatte die äussere und innere Form der Leishmaniose, war sehr lange Zeit unbehandelt geblieben und hatte kaum mehr Fell aufzuweisen. Nach der ersten Kur mit Milteforan waren wir glücklich, es wuchsen vereinzelt die Haare nach, sie wurde gebadet, gepflegt und jeden Tag gefragt, was sie denn gern essen möchte. Denn der Appetit bei leishmaniosekranken Hunden ist ganz unterschiedlich.
Nach dem leichten Bergauf - ging es rapide bergab. Jeden Tag kam der Tierarzt oder wir brachten sie, wo sie mit angereicherten Infusionen versorgt wurde - jedoch, die Nieren waren zu geschädigt, BETTY wurde mit jeden Tag schwächer und wir mussten sie schliesslich erlösen. - Sie ist heim gegangen zu ihren vielen anderen Brüdern und Schwestern in ein besseres Leben - und vielleicht auch zu Greta.



PERRY

PERRY und SILLY kamen vor eineinhalb Jahren aus dem Chianti zu uns. Sie waren arme Hunde, hingen an Ketten, die Familie, der sie einst gehörten war zerrüttet und um die Hunde konnte sich keiner mehr kümmern. Im Leid waren sie beide - vielleicht Mutter und Tochter - unzertrennlich. Und so lebten sie auch bei uns. Plötzlich wurde PERRY die Ältere langsamer, müder. Wir dachten an normale Alterserscheinungen. Aber es war Krebs, Krebs im Darm, der schon gestreut hatte, die roten Blutkörperchen waren gering geworden. Wie immer half für eine ganz lange Zeit das Mittel, das akut Wunder wirkt: Cortison. Aber der Verfall war nicht aufzuhalten.
PERRY ist SILLY voraus gegangen. SILLY weiss es, genau wie wir Menschen es wissen, wenn ein geliebter Freund von uns geht. Und trotzdem - täglich beim Spaziergang schaut sie sich um, ob die andere nicht doch vielleicht nachkommt. Wir wollten Silly ins Haus nehmen, sie ablenken, aber sie wollte dorthin zurück, wo sie mit PERRY gelebt hatte.



FRED

Unser FRED, der grosse, schöne und stolze Gordon-Setter hat lange gekämpft. Er hat uns wissen lassen, hoch erhobenen Hauptes, dass er nicht sterben will. Noch nicht. Obwohl seine Hinterbeine nicht mehr mitmachten. Wir haben ihm jede Hilfe gegeben, ihn wissen lassen, dass wir ihn lieben.
Vor wenigen Tagen hat er aufgegeben. Das Essen, das ihm immer gut mundete, hat er stehen lassen. Die Augen richteten sich nach innen, da wussten wir - es ist Zeit, es ist unsere Pflicht, ihm zu helfen. Ciao Fred, grüsse all die anderen von uns da "drüben", dort "oben".



BELLA

Unsere superliebe BELLA, eigensinnig, eigenwillig, die im wahrsten Sinn des Wortes ihr Hundeleben nach ihrem Geschmack genossen hat - sie ist tot. Sie war etwa zehn oder elf Jahre alt, hat nie Probleme gehabt, nie Anzeichen gezeigt - und heute fiel sie einfach tot um. Heute, am ersten schönen, warm-heissen Tag hat sie uns verlassen, einfach so, ohne Ankündigung. Ciao BELLA, du hattest einen unverwechselbaren Charakter!! Alle hatten dich lieb.



TENDINA

TENDINA, sie war sicherlich einmal ein kleines süsses Hündchen. Wir bekamen sie von Assisi als sie bereits älter und von vielen Geburten ausgelaugt war. Ihr Gesäuge hing weit hinunter, sie musste an der Kette leben und war gehalten worden als "Andenken an den verstorbenen Sohn". Tierschützern gelang es, sie frei zu bekommen und wir nahmen sie auf. Sie war bescheiden, lieb, zurückhaltend - aber letzteres nicht, wenn es ums Essen ging.
Ohne Zweifel hatte sie einen Alterstumor! Sie musste vor zwei Tagen erlöst werden.



NONNO

Unser NONNO hat es nicht geschafft. Er konnte leider nur kurze Zeit bei uns bleiben. Er hat die Tage der Freiheit, der Streicheleinheiten, des guten Essens, der weichen Liegestatt genossen. Es hat mir ins Herz geschnitten, täglich seinen beinahe ungläubigen Blick zu sehen, wenn er als bereits schlechter Esser mit einem Extra- Portiönchen verwöhnt worden ist.
Sein Körper war kaputt durch den langen Aufenthalt im Lager. Die Haut porös, Diagnose Leishmaniose, die über einen langen Zeitraum hinweg unbehandelt die Nieren und alle anderen Organe geschädigt hat. Er ist heim gegangen zu seinen Tierbrüdern.



MIZE

, die schöne, graue Individualistin wurde von mir -Thomas- vor 8 Jahren adoptiert. Meine Mutter brachte MIZE aus Italien bis nach Rosenheim. Zu dem Zeitpunkt war auch noch eine ältere schwarze Samtpfote dabei, die ich NORA taufte. NORA entschied sich aber nach ein paar Monaten des Zusammenlebens mit MIZE für die ruhigere Variante sich selbst bei den Nachbarn anzusiedeln - was NORA auch gelungen ist.
MIZE und ich verstanden uns von Anfang an gut, liebten einander, und es war meine erste Katze überhaupt. Eine Einzelgängerin war MIZE, sie wollte keine anderen Katzen, sie war zufrieden, wenn sie mit mir war, und daher nahm ich sie auch überall mit hin. Sie zog mit mir von München nach Berlin und von Berlin in die Toscana. Ebenso war MIZE bei jedem Urlaub dabei, und fuhr gerne mit dem Auto.
Hier, so dachten wir, so nah ihrer eigentlichen italienischen Heimat von Grosseto könne sie, mittlerweile älter geworden, draussen sein, ihr Katzenleben geniessen. Sie machte gern kleine Spaziergänge im Umkreis, kam dann aber auch gern wieder heim, und hörte mindestens genauso gut wie ein Hund auf ihren Namen.
Gestern morgen musste Helga und ich frühzeitig zur Veterinärbehörde. Es war schönes Wetter und so durfte MIZE schon morgens nach draussen.
Als ich heim kam, sah ich ich sie schon aus dem Auto reglos liegen - es muss ein Hund gewesen sein. MIZE lebte jahrelang mit Hunden, und spielte hin und wieder auch gerne mit GIORGIO. Bei fremden Hunden war sie dennoch sehr auf Flucht eingestellt - jedoch scheint sie es in diesem Fall nicht rechtzeitig bemerkt zu haben.
MIZE war für mich aussergewöhnlich - wie bei jeder engen Freundschaft. Wir werden sie nie vergessen, die unvergleichliche MIZE.



GUNDI

Die süsse GUNDI mit einem Steh- und einem Schlappohr war vor gut 10 Jahren die erste Hündin, die ins Cupiloni einzog - und blieb. Weil sie Epilepsie hatte. Sie gehörte einem deutsch-italienischen Ehepaar, war angeschafft worden für die Kinder und da sich niemand um den Welpen kümmerte, war sie bald auf der Strasse angefahren worden. Dieser Unfall löste die Epilepsie aus - und einen solchen Hund konnte man natürlich nicht gebrauchen.
GUNDI lebte glücklich bei uns - immer unter Aufsicht, immer mit ihren speziell dosierten Medikamenten.
Letzte Woche ging sie heim ins Reich der Tiere, ganz still, ganz leise und bescheiden.



MIMMO

Vor viereinhalb Jahren fand Hanni Müller, die uns lange helfend zur Seite stand, auf dem Parkplatz unterhalb des Tierhauses Cupiloni MIMMO. Er sass ganz brav auf einem rosa Bettlaken - vielleicht war er kurz vorher ausgesetzt worden. Sein Körper jedoch war übersät von Zecken und Flöhen. MIMMO, so nannten wir ihn, weil er an einem Sonntag gefunden wurde! - MIMMO war bestimmt schon 8 - 10 Jahre alt, aber trotz des Alters gewöhnte er sich mühelos bei uns ein. Ein freundlicher, kleiner Hund, der nie Probleme bereitete.
Schon seit längerem hatte er Herzinsuffizienz, der Husten mit sich brachte und Wasseransammlung im Körper. Wir taten alles für ihn - aber einmal verlieren die Medikamente ihre Wirkung. MIMMO ging letzten Sonntag von uns, so leise, brav und still, wie er gekommen war.



GIGA

GIGA ist tot. Heute morgen ging sie noch mit spazieren. Wir merkten schon die letzte Zeit, dass sie müder wurde, ganz klar, sie war mindestens 13 oder 14 Jahre alt. Ich dachte darüber nach, wie sehr die Hunde, die wir retten und die bei uns bleiben können an ihrem Leben hängen, wie sie es geniessen, denn alle werden alt bei uns. GIGA wurde einstmals von alten Bauersleuten genommen, sie war eine schöne, lustige Schäfer-Husky-Mischlingshündin. Zudem noch sehr brav. Es kam wie immer: GIGA wurde schwanger und schenkte ein paar Kindern das Leben. Einige starben, einige wurden vergeben und ihr Sohn durfte bei den Bauersleuten bleiben. Sie hatten noch einen dritten Hund - den schon älteren Buck. Alsbald war der Rüde, der gross und stattlich geworden war, Sirio mit Namen, der Liebling der beiden alten Leute.
Wir brachten Futter, konnten auf diese Weise Mama GIGA kastrieren, trotzdem landete sie, genauso wie Buck, eines Tages an der Kette. Es hiess, sie würden sonst die wilden Tiere jagen. Sirio blieb frei, durfte ins Haus. Mir tat es jedes Mal leid, wenn ich die Hunde besuchte, die brave GIGA an der Kette zu sehen. Schliesslich baute Helmut eine Laufkette.
Das Schicksal wollte es dann, dass alle drei Hunde eine Fellkrankheit bekamen, nichts besonderes, wenn sie im Dreck zu Hause waren, nie gebadet wurden, nie eine Bürste kennen lernten. Die Leute, wie immer hysterisch ängstlich vor Krankeiten, riefen an und wollten, dass wir SOFORT alle drei Hunde abholen. Das machten wir auch, badeten sie, medikamentierten alle drei - und sie bekamen schnell ihr schönes Fellkleid zurück. Die beiden, GIGA und Buck, die wollten sie nicht mehr zurück, aber sie verlangten nach ihrem Liebling Sirio. Den brachten wir zurück - und brachen danach auch die Kontakte ab. Wir wissen, dass das Frauchen mittlerweile gestorben ist und das ehemalige Herrchen bewegungsunfähig von einer Betreuerin versorgt wird. Eines Tages fuhr ich an dem abgelegenen Haus vorbei und sah Sirio - er war verwahrlost, hatte eine Wunde auf dem Rücken, das interessierte die Betreuerin wenig, mit dem alten Mann konnte ich nicht sprechen.
Jetzt nach dem Tod der Mutterhündin werde ich schauen, ob der Sohn noch am Leben ist.
GIGA hatte mindestens sieben schöne Jahre bei uns, frei, geliebt, bei gutem Essen und den Spaziergängen, die sie so sehr genossen hat.
Ihr Tod hat mich traurig gestimmt, aber nicht überrascht. Ich musste heute den ganzen Vormittag gerade über GIGA und ihre Lebensgeschichte nachdenken - es war, als ob wir uns noch einmal gedanklich miteinander verbunden hätten....ciao brave GIGA.



FRITZ

Unser geliebter, alter FRITZ musste erlöst werden. Er war ein feiner Hund, ein Aristokrat, ein echter Pinscher, der auf dünnen Beinchen elegant dahin tippelte. Auch er war eines Tages im Tierheim von Rieti gelandet. Als er uns gebracht wurde, hatten wir gerade einen Platz für einen alten Hund in Deutschland frei. Meine Mitarbeiter sagten: "FRITZ übersteht doch nicht einmal die Reise nach Deutschland". Bei uns lebte er mehr als zwei schöne Jahre. Wir sind dankbar, dass er bei uns war.



KIM

Wie oft in 15 Jahren mussten wir - manchmal in einem Familienrat - die schwere Entscheidung fällen, einen Hund, eine Katze zu erlösen - sie heim gehen zu lassen.
Heute und diesmal, einen Tag vor Weihnachten fällt es uns besonders schwer. KIM war n u r gute zwei Jahre bei uns, aber sie brachte alle unsere Herzen zum Schmelzen. Sie war durch Diabetes blind geworden und ihr Besitzer konnte sich die Behandlung mit Insulin zum einen nicht leisten und zum anderen muss ein Hund mit Diabetes seine Medikamente täglich ganz korrekt bekommen - neben einer ausgewogenen Fütterung. Kim war sanft, weich, schmusig, sie fand sich bestens bei uns zurecht, stapfte durch den Garten wie eine Sehende, war immer freundlich, immer lieb, immer darauf bedacht, Streicheleinheiten zu erhalten.
Sie war alt, vielleicht 12 Jahre, man sah es ihr nicht an, und sie hatte von ihrem Vorleben andere Probleme. Plötzlich erhöhte sich der Zuckerspiegel rapide - unsere beiden Tierärzte bemühten sich um sie - jetzt in diesem Moment musste ich Dr.Guidoni die Erlaubnis geben, sie zu erlösen. Wir wünschen dem braven Hund, dass er gut ankommen wird im Hundehimmel.



BIANCA

Heute, am Samstag, den 24. November frühmorgens starb unsere geliebte BIANCA. Der Heimgang wurde ihr erleichtert, sie starb in unseren Armen. Wenn es eine Gerechtigkeit gibt, dann wird sie im Tierreich erwartet und sie muss es schön haben. Neun Jahre ungefähr musste sie die Misshandlungen der Menschen ertragen - nur zwei kurze Jahre konnten wir es ihr bei uns wirklich schön machen. Sie hatte trotz aller negativer Erlebnisse mit den Menschen einen unvergleichlich guten, sanften Charakter.
Erinnert Euch - als sie bei uns ankam, war sie ein zum Skelett abgemagertes, graues Etwas. Sie bekam von Euch allen viel Liebe, Zuneigung, Besuche, Streicheleinheiten. Dafür möchte ich Euch allen im Namen von BIANCA danken. Sie wird uns unvergessen bleiben.

WENN DER TOD SICH ANKÜNDIGT …
…auf schnellen oder leisen Sohlen, egal wie, allein die Konfrontation mit dem Sterben lässt immer Kummer und Traurigkeit aufkommen. – Immer wird man auch mit der eigenen „Endlichkeit“ konfrontiert, aber schließlich ist das eigene Leben zu einem großen Teil gelebt und es ging einem gut. Die Tiere aber, die man aufnimmt, in zumeist schlechter körperlichen und seelischer Verfassung, denen würde man so von Herzen wünschen, dass man lange genug Zeit bekommt, den von anderen Menschen angerichteten Schaden wieder halbwegs gut zu machen.

Es ist nur logisch und nachvollziehbar, dass man umso mehr an einem Tier hängt, wenn man weiß, wie schlecht es vorher dran war. Unsere BIANCA, Doga Argentina in Weiß ist so ein Fall. Viele von Euch erinnern sich bestimmt, wie sie im Mai 2005 zu uns kam. Sie war Haut und Knochen, war kraftlos, konnte kaum auf den Beinen stehen, hatte den Kopf gesenkt und keinerlei Lebensmut. Niemand glaubte damals, dass wir sie überhaupt gesund bekommen würden. BIANCA kam aus der Hölle des Lagers von Rieti, vorher war sie zu Kämpfen missbraucht worden, sie hat verschiedene sehr grobe Verletzungen, Durchbisse der Ellenbogen, fehlende Zehen. Sie wollte einfach nur ihre Ruhe haben. Sie bekam bei uns einen Auslauf für sich ganz alleine, ein Haus für sich alleine, verschiedene Betten, so dass sie sich ihre Liegeplätze aussuchen konnte. Und sie bekam alles an gutem Essen, was sie all die Jahre über sicherlich vermissen musste. Und Liebe. BIANCA genas. Es war nicht so viel tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn BIANCA hatte wirklich genug davon, von Menschen manipuliert zu werden.

Wir konnten alles mit BIANCA machen, sie wusste, dass ihre Leiden ein Ende hatten. Für uns war es ein Ausdruck ihres wieder gewonnenen Lebensmutes, wenn sie jeden Morgen Punkt 6 Uhr lautstark um ihr Essen bat. Und abends dasselbe. Sie machte langsam aber mit viel Freude kleine Spaziergänge, sie genoss die Sonne, die Ruhe und die Zuwendung.

Jetzt plötzlich, sieht alles ganz anders aus: BIANCAs Bauch wurde auf einmal dicker, wir dachten an eine beginnende Herzschwäche, konsultierten unsere beiden Tierärzte. Nein, sagte Dr. Guidoni, das Herz ist es nicht alleine, es ist viel Flüssigkeit im Bauch und die Substanz der Flüssigkeit lässt nichts Gutes vermuten. Wir waren nicht bereit, daran zu glauben. BIANCA bekam eine Entwässerungskur, sie bekam Cortison, der Bauch wurde kleiner, der Appetit kehrte zurück – wenn auch nicht wie früher. Und das fröhliche Bellen am Morgen, das fordernde, war verstummt. Vor wenigen Tagen, als ich mit ihr auf dem Bett lag, leckte sie mir übers ganze Gesicht – zum ersten Mal. Ich wusste, es war ihre Art, Abschied zu nehmen. Und nun ist er wohl nicht mehr weit.

Heute, am 7. November liegt sie draußen auf ihrer gut gepolsterten Matratze. Sie schaut sich alles an, schläft dann wieder – will nicht recht essen. Ich habe mit ihr ein bisschen gesprochen, sie hat mich wissen lassen, sie war zufrieden mit dem, wie es war. BIANCA war ein Geschenk für mich, wie sie alle treue, wertvolle Unikat-Geschenke waren und sind.
Wir werden sie sehr vermissen.


Die Bilder links und rechts zeigen BIANCA bei ihrer glücklichen Ankunft bei uns im Mai 2005.  

LENA

LENA, die schöne, brave Schäferhündin hat gute sechs Jahre bei uns verbringen können. Sie kam aus einem der schlimmsten Tierheime von Grosseto, das mittlerweile aufgelöst wurde. LENA war eine sehr bescheidene, absolut liebe, niemals fordernde Hündin. Sie wäre eigentlich ein idealer Familienhund gewesen. Am Anfang ihres Hierseins wollten wir sie vermitteln. Meine Schweizer Freundin Barbara hätte sie in die Schweiz mitgenommen und auf einen Pflegeplatz gebracht. Alles war vorbereitet. Als wir LENA zum Auto bringen wollten, sträubte sie sich mit allen vier Pfoten. Barbara und ich kamen überein, sie hier zu lassen, sie wollte bei uns bleiben. - Heute kam der Tierarzt, um ihr den Heimgang leichter zu machen. Sie hatte Nierenversagen. Seit Wochen schon konnten wir beobachten, dass sie immer dünner wurde, alten Menschen ähnlich. LENA, du bleibst für uns, wie die vielen anderen, von denen wir Abschied nehmen mussten, unvergessen.



LADY

LADY, eine ältere Cocker-Dame, die ihrem Namen alle Ehre gab. Als sie zu uns kam, weil ihr Frauchen nicht mehr Herr ihrer Sinne war, machte sie immer noch einen jugendlichen Eindruck. Bei uns wurde sie erst einmal gebadet, es wurden ihr die Haare geschnitten und zum Vorschein kam eine sehr hübsche Cockerin, die schnell verstand, dass es jetzt mit dem langweiligen Leben bei einem alten Frauchen ein Ende hatte. Sie "verliebte" sich in einen unserer Mitarbeiter, folgte ihm auf Schritt und Tritt und schlief natürlich auch bei ihm - nicht nur im Zimmer, sondern auch im Bett.   Ihre 13 Jahre sollte LADY haben, an eine Kastration war nicht mehr zu denken. Sie geriet in Hitze, nahm ein bisschen ab, denn sie hatte ein bisschen zugelegt bei uns. Als sie aber mager und mägerer wurde, gingen wir mit ihr zum Arzt, dachten an eine Gebärmutter-Entzündung. Leider viel schlimmer - die Nieren arbeiteten nicht mehr. Bald bestätigte sich das auch durch den intensiven Geruch von Aceton, selbst als sie jeden Tag an den Tropf kam. Mal ging es ihr besser, mal schlechter. Aber immer und in jeder Phase wedelte sie mit dem Schwänzchen. Wir Menschen wussten, dass wir Abschied nehmen mussten, wenn wir den Hund nicht quälen wollten. Ciao Lady, schade, dass Du nicht länger bei uns bleiben konntest.  
Die Bilder links und rechts sind die letzen die wir von LADY gemacht haben.  

VUCKO

Der schon alte VUCKO kam genau vor einem Jahr zu uns aus Sarajevo. Er war sein Leben lang ein Kettenhund gewesen, jetzt, im Alter, wollte ihn sein Besitzer nicht mehr. Vucko war immer noch ein schöner, stattlicher Schäferhund, wenn auch abgemagert und mit stumpfem Fell. Bei uns lebte er bald auf, er lebte zusammen mit den drei Hundemädchen Greta, Bella und Donna in einem riesengrossen, grünen Auslauf - denn katzenfromm war er leider nicht. Er genas zusehends, machte gern seine Spaziergänge, vor allem mit Thomas. Bald konnte man ihn auch von der Leine lassen, es wäre alles gut gewesen. Plötzlich hatte er Probleme mit der Hinterhand, wir dachten an die weit verbreitete Schäferhundkrankheit und auch an ein bisschen Arthrose der alten Knochen. Als er plötzlich einen dickeren Bauch bekam, ohne Husten zu haben, musste er zu Dr.Guidoni und einen Ultraschall über sich ergehen lassen. Das Ergebnis war niederschmetternd - es gibt einen riesigen Tumor. Das schlechte Leben, das die Hunde durch zu stehen hatten, zeigt einfach im Alter seine Folgen. Er hatte noch ein schönes Jahr bei uns, seine Anwesenheit und Bellen werden uns fehlen - Alles Gute VUCKO!  

SNOOPY

Vor kurzer Zeit nur haben wir den alten Yorkie SNOOPY übernommen. Er wurde einer Tierschützerin von Leuten übergeben, die ihn angeblich in ihrer Wohnung nicht mehr halten konnten. Wie sich im nachhinein herausstellte, waren alle Angaben der Leute falsch, wir hätten noch Fragen gehabt....aber weder Name noch Adresse stimmten, sie wollten sich einfach des alten Hundes entledigen - auf eine saubere Art und Weise.
Wir hätten sogar einen Endplatz für den alten SNOOP gehabt, dank unserer lieben Freundin I., aber SNOOPY hätte dafür noch die lange Reise nach Deutschland antreten müssen. Wir wollten erst schauen, wie er sich erholt. Denn er war abgemagert und bereits zittrig. Er wollte nur ganz bestimmte Dinge essen, zumeist rohes Fleisch und das ist fast immer ein Indiz für Nierenprobleme. Leider haben uns unsere Eindrücke nicht getrogen - seit gestern isst SNOOP nicht mehr, wir ersparen es ihm, zum Doktor und zurück gefahren zu werden. Der Doktor war hier, und wir sind einer Meinung, wir sollen ihm den Frieden gönnen. ciao - SNOOPY, wir hätten dir gern länger bewiesen, dass nicht alle Menschen Schufte sind!  

VITTORIA

DIE LEIDEN WAREN ZU GROSS - VITTORIA kam zu spät zu uns. Trotz allem Bemühen von uns und unseren beiden Ärzten ist Vittoria am Dienstag, den 4. September gestorben.Sie war am ganzen Körper krank gewesen. Es bleibt immer ein grosses Bedauern, wenn man den Wettlauf mit dem Tod nicht gewinnt. Der kranke Hund hat vielleicht den besseren Part gewählt - nur das bleibt uns als Trost.  
Hier VITTORIA bei ihrer Ankunft in Rieti - unten ihr Zustand heute!

VITTORIA, die eine Augenentzündung bekam, blieb ebenso unbehandelt wie King. Auch sie ist erst seit einigen Monaten im Tierheim. Da man absolut NICHTS machte, noch nicht einmal Notiz nahm von der Verschlechterung ihrer Augen ist sie jetzt nahezu blind.  

Gestern, am 24. Juli 2007 hat uns ganz überraschend unser Findelhund ENZO verlassen. Enzo wurde uns vor gut einem Jahr von einem Bauern eines weiter entfernten Ortes gebracht. Dort war er angeblich zugelaufen. Enzo war sicherlich nicht mehr ganz jung und deshalb hat er aufgrund dessen, was er wahrscheinlich erleben musste, nie mehr richtig Vertrauen zu den Menschen gefasst. Er war ein sehr schöner, aber ebenso freiheitsliebender Setter-Mix, seine braunen Augen schauten stets wachsam misstrauisch und waren schwarz umrahmt, was ihm immer etwas besonders Trauriges verlieh. -
Enzo wurde gestern von einer Viper gebissen. Es gibt in Italien kein Gegengift gegen diese absolut tödlichen Schlangenbisse - es war zu spät, wir konnten ihn nicht mehr retten. - ciao Enzo, jetzt hat Deine arme ängstliche Seele Ruhe gefunden - wir werden Dich nicht vergessen!  
KIRO kam 1998 zu uns, gebracht zusammen mit seiner „Ehefrau“ Dea von unserem
Vorstandsmitglied Tina Tarloni. Sie sagte uns, beide Hunde wären schon älter,
die Engländer, die die Tiere betreut hätten, gingen zurück nach England. Dea
hatte noch dazu Leukämie, die sie bei uns überwand. Zum grossen Erstaunen von
Dr.Guidoni. Mit einem Satz, BEIDE genossen ihr Leben sehr bei uns. Dea starb vor
einem Jahr an diversen Hirnschlägen. KIRO hielt durch, er bekam neue
Lebensgefährtinnen, das Essen war ihm wichtig – aber das grösste waren für ihn
die morgendlichen Spaziergänge. Bis zuletzt, als seine Beine schon nicht mehr
richtig wollten, ging er mit, manchmal musste er heim getragen oder in
der Schubkarre die letzten Meter gefahren werden. Die Muskeln schwanden zusehends,
zuletzt konnte er nicht mehr aufstehen. Es war eine Erlösung für den alten
starken Mann, dass er heim gehen durfte!  

Abschied nehmen mussten wir auch von INGE u. NINJA

INGE hat fast drei Jahre bei uns zugebracht. Sie war eine schlecht gehaltene
Hündin von verantwortungslosen Menschen in Deutschland. Tierfreunde erlösten sie
und Helmut holte sie ab. Sie war ein abgemagerter, grosser, schwarzer Hund, der
sofort notoperiert werden musste, weil sie eine Gebärmuttervereiterung hatte.
Langsam genas sie und langsam, ihrem schon fortgeschrittenen Alter entsprechend,
lebte sie sich in unserem Rudel ein. Für Inge war alles Neuland – sie benahm
sich wie ein Mensch, der nie etwas kennen gelernt hat – das zweimalige gute
Essen war ihre Leidenschaft, sie ging mit weit greifenden Schritten spazieren,
machmal machte sie ihre eigenen Touren und kam beim Nachbarn an, sie versuchte
mit den anderen zu spielen, es blieb bei Versuchen, sie hatte es nie gelernt!

Von ihrem Leben draussen, ohne Unterstand in Anbindehaltung hatte sie
Rückenprobleme. Jetzt zum Schluss konnte sie nicht mehr aufstehen, trotz aller
Bemühungen. Kein Leben für einen grossen Hund – sie durfte heim gehen, sie wurde
erlöst. 
Am 5. Juni 2007 starb ganz überraschend unser kleiner Liebling, die süsse NINJA.
Jeder, der zu uns kam, belächelte ihren Vorbiss, jeder registrierte ihre
Bemühungen, trotz der künstlichen Knie gut zu laufen. Fast zehn Jahre war sie
„mein Kind“, sie war, zusammen mit ihrem Bruder in einem Karton vor dem Tierheim
Follonica als Baby ausgesetzt worden. Dr.Guidoni operierte sie gut, aber sie
hatte seither panische Angst vor jedem Tierarzt, vor jeder Spritze. Noch im Mai
hat unsere Tierfreundin Monika sie geschoren. Sie sah jung aus mit ihren alles
verstehenden Knopfaugen! In der vergangenen woche machte sie eine grosse
Spazier-Runde mit mir und den anderen – ich habe ja nicht verstanden, dass sie
vielleicht schon Abschied nahm. Sie bleibt mir unauslöschlich in Erinnerung!
 

Wir bedauern, dass wir LUCIE nicht helfen konnten. Sie kam zu uns aus den
dreckigsten Verhältnissen von einem Bauern, war krank bei ihrer Ankunft, immer
scheu und ängstlich geblieben. Sie bekam alles, was wir Menschen ihr nur geben
konnten – und trotzdem , sie wollte gehen.  
5. März 2007 - heute mussten wir Berta erlösen. Sie hatte vor einiger Zeit angefangen zu hinken und wir dachten an eine beginnende Alters-Arthrose, denn sie wird jetzt ungefähr 9 - 10 Jahre alt gewesen sein. Sie kam vor etwa 5 Jahren zu uns, wurde von einem jungen Mädchen gebracht, das weinte. Es war IHR HUND, sie wohnte bei den Grosseltern, die Oma war gestorben und der Grossvater wollte den Hund nicht mehr.
Berta gewöhnte sich gut bei uns ein, aber sie war immer - wohl ihrer Rasse entsprechend - ein ganz eigener Charakter. Es hat viel bedeutet, wenn sie einen angewedelt hat, sie kam selten zum Schmusen, sie war einfach reserviert. Und darüber hinaus hatte sie auch einen Dickkopf, die Spaziergänge machte sie nach ihrem Gutdünken, war schlau genug, durch den Katzenkindergarten wieder ins Haus zu kommen. Lange schlief sie bei Helmut im Zimmer, jetzt, am Ende ihres Lebens machte sie noch einen "Besuch" bei ihm. Die Arthrose stellte sich als Tumor in der Schulter mit Metastasen im Darm heraus. Sie wusste, wie es um sie stand, aber sie wollte noch einige Tage bei uns bleiben, jetzt haben wir Abschied genommen, Helmut hat geweint.  
Unsere NEVE war zusammen mit ihrer Mutter LOLA einer der ersten Hunde, die
ersten Maremmen, die wir am CUPILONI aufgenommen hatten. LOLA, die Mama, an der
NEVE die ganzen Jahre über mit kindlicher Liebe hing, starb vor einem Jahr am
plötzlichen Herzinfarkt. Das hat ihr Kind nicht überwunden. Monate später bekam
sie Knochenkrebs und Metastasen in der Lunge. Wir haben den stolzen Hund nicht
amputieren lassen. Bis zuletzt machte sie ihre altgewohnten Spaziergänge – die
immer kleiner wurden. Dann wurde sie erlöst.

Wir Menschen vom CUPILONI, Helga und Helmut sagen farewell zu diesen drei
Freunden, die uns ein Stück auf unserem Weg begleiteten. – Lest die nachstehend
die Ankunftsgeschichte von Lola und Neve.  

MUTTERLIEBE – LOLA UND IHRE KINDER IM HOLZ

Es war zwar nicht Weihnachten, sondern später Sommer, aber die Geschichte ist in gewissen Punkten vergleichbar mit der aus der Bibel. als nämlich Maria und Josef umherzogen und nirgends Einlass fanden, um den Kind, das Maria erwartete, eine Schlafstatt geben zu können.

LOLA ist eine weisse, ziemlich reinrassige, grosse Maremmenhündin. Bei uns zulande nimmt man diese Hunde gern zum Hüten der Schafe oder der Mulis und Arbeitspferde, die zur schweren Holzbergung benutzt werden. Die grossen, schweren Hunde sind von ruhigem Gemüt, genügsam, brav, intelligent und von einem gewissen Eigensinn, der in manchen Situationen sehr nützlich sein kann. Trotzdem die Hunde ihre Pflicht tun, kommt ihnen zumeist weder Liebe noch besondere Aufmerksamkeit zu. Sie werden gefüttert mit Essensresten der Waldarbeiter, im Sommer haben sie mit ihrem dichten Fell unter der Hitze zu leiden und die Nächte, auch wenn es regnet, stürmt oder gewittert, verbringen sie draussen beim Vieh. Wenn die zu bewachenden Herden gross sind, werden oft auch zwei und mehr Hunde dieser Rasse gehalten.

Und so kam es, wie es kommen musste – LOLA wurde schwanger von ihrem Arbeitskameraden, ebenfalls einem Maremmenhund. Das konnte ihr Dienstherr MENSCH überhaupt nicht gebrauchen, denn wenn die Holzarbeiter, boscaioli, wie man sie bei uns nennt, fertig sind mit ihrer Arbeit an einem Platz, dann ziehen sie unverzüglich weiter. Und haben dann manchmal an ganz anderen, weit entfernten Orten zu tun. Lola blieb allein und unversorgt zurück mit ihren acht weissen, putzigen Kindern. Um sie vor wilden Tieren, vor allem den vielen räuberischen Wildtieren zu schützen, brachte Lola ihre Kinder unter einem schweren Holzstoss in Sicherheit. Sie kümmerte sich liebevoll um die Kleinen, um ihre eigene Ernährung war es schlecht bestellt. Die noch verbliebenen Waldarbeiter brachten ihr die Frühstücks- und Essensreste. Manch einer hatte wohl Mitleid mit der immer freundlichen Hündin, die zur Begrüssung wie zum Dank ihre Lefzen zu einem Lächeln hochzog und dabei ihre Zähne entblösste.

Lolas Kinder wuchsen und nahmen der Mutter immer mehr von der Substanz. Lola magerte ab bis auf die Knochen. Die Kinder waren ungefähr vier Wochen alt und hätten leicht schon von selbst essen können – aber es gab ja nichts. So machte Lola sich in ihren Stillpausen auf den Weg ins Dorf, zumeist zweimal am Tag. Sie musste ungefähr fünf Kilometer laufen, bis sie an einem Haus mit mehreren Parteien ankam. Freundlich gab sie dort zu verstehen, dass sie Hunger hatte. Sicherlich hatte die Frau, die ihr zu essen brachte, auch ihr Gesäuge gesehen, aber die Zuteilung blieb trotzdem schmal: sie bekam zumeist einen kleinen Plastikteller mit Spaghetti. Viel zu wenig für einen grossen Hund, geschweige denn für eine Mutter, die davon ihre acht Kinder satt bekommen musste. Lola machte sich eilends auf den Rückweg und würgte ihren Kindern dann die unverdaute Pasta vor. Sie selbst ass nichts – denn die acht Kinder liessen nichts von der angewärmten mit Speichel durchsetzten Speise über. –

Dies alles geschah, als die ersten Pilzsucher unterwegs waren. Wenn sie an Lolas „Blockhaus“ vorbei gingen, schoss diese aus dem Versteck hervor und verteidigte ihre Kinder mit lautem Gebell. Sie hatte bereits alle Mühe, ihre Kinder im Unterschlupf zurück zu halten. Manchmal lugten einige von ihnen neugierig hervor und wagten auf kurzen Beinchen unsichere Schritte ins Freie. Wenn sich aber jemand ihnen näherte, dann verschwanden sie in der Mitte des Holzstosses und entzogen sich jedem Zugriff von Menschen. Dabei waren sie mäuschenstill, so dass niemand sie ausmachen konnte.

Bald drang die Kunde von dem wilden Hund mit den Kindern auch zu uns. An einem gewittrigen Nachmittag bei strömendem Regen machten wir uns zu zweit auf, um Mutter und Kinder zu retten. Wir wussten, dass die Mutter gerade wieder ihren üblichen Bettelgang ins Dorf gemacht hatte. Mit einem Eimer voll des guten Futters machten wir uns auf den Weg zu ihr. Sie war ein abgemagertes Gerippe, von verflohten Fellfetzen umhüllt. Nur ihr Kopf und ihre Augen sprachen Bände. Es war, als ob sie auf unsere Rettung gewaret hätte. Sie frass mit gutem Appetit und sie frass viel, aber Minuten später ging sie zu ihren Kindern und würgte fast alles wieder aus. Die Sorge um ihre Kinder war so zu einem Teil von ihr selbst geworden, dass sie diese Angewohnheit noch über Wochen beibehielt, auch als sie sicher wusste, dass es viermal am Tag ein Essensangebot für sie und ihre Kinder gab.

Als wir sie holten, war sie so schwach, dass wir sie ins Auto tragen mussten.Wir hatten grosse Mühe, ihre Kinder aus dem Versteck zu locken, aber sie half uns dabei. Sie zeigte uns, dass sie uns verstand. Sie hatte begriffen, dass ihre Sorgen, ihre Leiden beendet waren. Sie zählte die Kinder mit uns durch, sie gab uns zu verstehen, dass noch eines fehlte und lockte es mit mütterlicher Güte aus dem Versteck hervor. Bei uns bezog sie mit ihrer Familie ein Holzhaus ausgestattet mit gemütlichen Betten, Körben und Matratzen.

Lola lebte neun Jahre zusammen mit ihrer Tochter Neve bei uns. Sie starb 2006 an einem Herzschlag. Neve wollte ohne ihre Mama nicht sein, sie bekam Knochenkrebs und verliess uns in diesem Jahr.


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